Die Idee und ihre Anfänge – das Konzept

Second fusion

Menschen, denen realität noch nie so ganz geheuer war und die den unbillen der morphologischen existenz manchmal gern entkommen würden, kommt das internet eigentlich ganz gelegen. Es bietet jede menge räume, in denen der lästige körper keine rolle spielt und die eigene identität je nach belieben und experimentierfreude gewechselt werden kann.
In den letzten jahren und mit rasanter geschwindigkeit ist im netz eine parallelwelt enstanden, die immer stärker mit der herkömmlichen realität konkurriert. In unzähligen spielewelten schlagen sich banker, langzeitstudenten und arbeitslose mit virtuellen schwertern die ulkig aussehenden köpfe ab, in chatrooms wird mehr kommunizeiert als in jeder latte-macchiato-bar, auf den kennlernsides posaunen Leute, die auf diskos immer schweigend in der ecke standen, ihr ganzes leben aus (das dadurch allerdings noch immer nicht unbedingt spannender wird).
Natürlich existiert diese welt nicht unabhängig von der originalen, sie wird aus ihr heraus, aus ihren wünschen, bedürfnissen, utopien, lüsten, ängsten und profitkalkulationen heraus produziert. Gleichzeitig gewinnt sie eine erstaunliche dynamik, da sich das leben dort nicht mit den bleiernen schuhen materieller existenz herum quälen muß. Jede noch so absurde theorie, vision oder phantasie kann dort ihren raum und ihre umsetzung finden, vorausgesetzt, jemand programmiert es.
Beide welten verbindet ein dialektischens verhältnis. So wie sich die virtuelle realität (VR) aus dem real life (RL) ableitet, so wirkt sie inzwischen auch dahin zurück. Sei es über den raum und die veränderungen, die elektronische kommunikation inzwischen in unserem leben ein- und vorgenommen hat oder die reelle arbeit, die von einer inzwischen ansehlichen menge an leuten in niedriglohnländern verrichtet wird und darin besteht, für wohlhabende gamer durch die world of warcraft zu flitzen und gegenstände aufzusammeln, um den auftraggebenden avatar damit auszurüsten…

Diese und einige andere erstaunliche interferenzen bzw. unsere eigene verwicklung darin haben uns auf die idee unseres diesjährigen fusionthemas gebracht. Es geht um das ausloten der grenzen zwischen VR und RL , um das beobachten aktueller grenzverschiebungen und die wechselseitigen beziehungen zwischen 2 welten, die sich in einem ständig laufenden Wettbewerb um das Abschiessen des Absurditätsvogels befinden.

die software

wie der an >second life< erinnern wollende titel vielleicht schon verrät, liegt ein hauptaugenmerk unseres interesses auf der simulation von realität. Um eine einigermassen an wissenschaftliche standards orientierte forschungssituation zu schaffen, müssen wir die perspektive natürlich verändern und verlegen uns auf das simulieren der simulation. Bzw. die re-analogisierung des digitalen. Angedacht ist so etwas wie die die übertragung von myspacekonzepten unter 3-Tages-freizeitkommunisten (yourspace.kom) oder das lebendigwerden lassen selbst gebastelter avatare.
Nebenbei gibt es exkursionen zu den anfängen interhumanen daddelns: in den atarihöhlen lassen sich prähistorische programme bestaunen und natürlich benutzen.

die hardware

Die bar ist natürlich der hauptrechner unseres kleinen systems und hoffentlich auch der faktor, der dazu beiträgt, dass sich der ganze spass irgendwie rechnet. Um die bar herum werden sich kleine, netzwerkartig verbundene cyberzelllen gruppieren, die mit themenspezifischer technik vollgestopft werden. Wir träumen ja von einem internetanschluss auf der fusion, das würde das aktionsspektrum immens erweitern. Falls das aber nicht geht, müssen wir ein intranet improvisieren.
Die tischtennisplatte nehmen wir schon aus gewohnheit wieder mit, diesmal kann man das parallel aber auch virtuell spielen. Nur rundlauf wird dann schwierig.

voll vorfreude auf einen globalerwärmten sommer grüßt euch lieb das

museum of future history

formerly known as museum of desillusion/labyrinth (2007) respektive das Gute,Wahre, Schöne/wohnzimmerbar(2006)





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